Leseprobe
Echos der alten Welt
Kapitel 1 Die Geschichte beginnt
Keylam sitzt an seinem überladenen Schreibtisch, die Stirn über ein paar Berichte gebeugt. Der Tisch ist zu groß, zu voll und zu chaotisch. Ein Meer aus Pergament und Siegeln.
Ein kalter Windstoß dringt durch das halb geöffnete Fenster und lässt die schweren, purpurnen Vorhänge aufflattern. Im nächsten Moment ist das ganze Zimmer in Bewegung.
Nicht nur die Vorhänge tanzen im Luftzug, auch die hohen Stapel von Dokumenten geraten ins Wanken, kippen um und verteilen sich wie ein Schneesturm aus Papier über den Boden.
Keylam stöhnt leise, steht auf und beginnt, die verstreuten Blätter einzusammeln.
Während er sie ordnet, überkommt ihn eine unerwartete Erinnerung an seine Kindheit, an einen Tag, an dem fast dasselbe passiert ist.

Damals war Keylam noch ein Junge, kaum neun Jahre alt und sollte in der großen Bibliothek der Burg etwas über die Geschichte des Großkontinents lernen.
Er saß an einem schweren Holztisch, über ihm das Licht einer flackernden Öllampe, während draußen der Wind an den Fensterläden rüttelte.
Vor ihm lagen Schriften über den Großen Krieg, den Vorion, der Tyrann, einst entfesselt hatte.
Er hatte gerade begonnen, die alten Texte zu studieren, als ein Windstoß durch den hohen Raum fegte und die mühsam sortierten Blätter quer durch die Bibliothek schleuderte.
Papiere flatterten zwischen den Regalen, einige segelten bis auf die obere Empore. Doch damals störte ihn das kaum.
Der Lesestoff war so trocken, dass er ohnehin schon viermal denselben Satz gelesen und jedes Mal wieder vergessen hatte, worum es eigentlich ging.
Als er die verstreuten Seiten endlich eingesammelt hatte, bemerkte er, dass eines der Blätter fehlte. Im selben Moment hörte er draußen fröhliches Kinderlachen aus dem Hof. Neugierig trat er ans Fenster und sah hinunter.
Zwischen den spielenden Kindern fiel ihm ein Mädchen auf, das das fehlende Blatt in den Händen hielt und es mit zusammengezogenen Augenbrauen betrachtete.
Es war Lizzy – wie er später erfuhr, die Tochter einer der Adelsfamilien, die sein Vater, König Kaleo Arthos, zur Versammlung auf die Burg gerufen hatte. Für ihr junges Alter konnte sie schon erstaunlich gut lesen. Sie blickte zu ihm hoch und rief.
„Ist das von dir?“
Dabei wedelte sie mit dem Blatt in der Luft. Keylam nickte zögerlich.
„Und warum sitzt du bei dem Wetter da drinnen und liest so etwas?“, fragte sie mit einem Ton, als könne sie sich nichts Langweiligeres vorstellen, als drinnen zu sitzen, wenn draußen die Sonne schien.
„Ich muss mich auf meine zukünftige Rolle als König vorbereiten“, antwortete Keylam wenig begeistert. „Ich darf nicht raus.“
Lizzy sah wieder auf das Blatt und runzelte die Stirn.
„Ist es wirklich so wichtig, die Geschichte des Kontinents zu lernen, dass du dir das antust?“
Wieder schwenkte sie das Papier, als wollte sie es gleich in den nächsten Windstoß werfen. Keylam grinste schwach.
„Wie ich an deinem Gesicht sehe, hast du schon gemerkt, dass es unglaublich langweilig ist.“
Lizzy grinste zurück.
„Dann komm doch lieber mit uns. Wir gehen auf den Markt. Da ist ein Geschichtenerzähler, der erzählt von alten Zeiten und von dem Krieg. Seine Geschichten sind viel spannender als das, was da auf deinem Blatt steht.“
Keylam überlegte. Sein Vater war ohnehin in der Versammlung und würde frühestens am Abend zurück sein.
Die Wachen vor der Bibliothek würden ihn niemals stören, solange er angeblich „studierte“. Außerdem, so dachte er, würde ihn sowieso niemand über den Inhalt der Texte befragen.
„In Ordnung“, sagte er leise. „Warte kurz.“
Er zog eine der langen Leitern vom Regal und stellte sie von innen ans Fenster, das im ersten Stock lag. Dann öffnete er die Flügel und lehnte die Leiter vorsichtig von außen dagegen.
Kurz darauf kletterte er hinab, das Herz klopfend, aber mit einem Lächeln im Gesicht. Lizzy wartete schon unten.
Als er auf den Hof trat, grinste sie ihn an und ohne ein weiteres Wort liefen sie gemeinsam zum Marktplatz. Sie kamen gerade rechtzeitig, denn der Geschichtenerzähler stand bereits auf seinem kleinen Podest. Als er die beiden Kinder sah, wartete er kurz, bis sie sich zwischen die anderen drängen konnten.
Keylam und Lizzy setzten sich zwischen zwei Jungs, die offenbar Lizzys Freunde waren. Der Mann begann zu sprechen. Keylam hatte mit einer tiefen, rauen Stimme gerechnet, doch was er hörte, war das Gegenteil.
Die Stimme des Erzählers war ruhig, weich und beinahe melodisch, ganz unpassend zu seinem Äußeren.
Er trug einen ungepflegten, stoppeligen Bart, das dunkle Haar hing wirr bis auf die Schultern und seine Kleidung war kaum besser als die eines Stallburschen.
Doch sobald er sprach, schien der Markt stillzustehen.Seine Worte zogen die Zuhörer in einen Bann, dem sich niemand entziehen konnte. Selbst Keylam, der eben noch an die trockenen Schriften seines Vaters gedacht hatte, vergaß alles um sich herum.
Zum ersten Mal verstand er, dass Geschichte lebendig sein konnte, wenn jemand sie erzählte, der sie wirklich atmete.

Lange, lange bevor der Großkontinent in seine jetzigen Herrschaftsgebiete unterteilt wurde, lebten die vier Völker im Einklang und Frieden zusammen.
Die Menschen lebten über den gesamten Kontinent verteilt in kleinen Siedlungen und Dörfern.
Die Elfen lebten, wie jetzt auch, auf der kleinen Landzunge, die wir heute Harmonie nennen. Oft reisten sie in kleinen Gruppen quer über den gesamten Kontinent und verbreiteten ihre Lieder, von denen alle wie verzaubert waren.
Sie waren schöne Wesen, bei denen man kaum Männer von Frauen unterscheiden konnte. Durch ihre langen, glatten, goldblonden Haare und ihre große, schlanke Gestalt wirkten sie stets grazil und erhaben. Doch sie waren nur selten hochnäsig und hielten sich von Konflikten fern.
Die Zwerge hingegen waren kleine, massige Wesen, die hauptsächlich in den Bergen und deren Höhlen lebten. Ganz im Gegensatz zu den Elfen stürzten sie sich in jeden Konflikt, ganz gleich, ob er sie betraf oder nicht.
Sie besaßen großes Geschick im Umgang mit Metall und Feuer und galten schon damals als die besten Waffenschmiede des Kontinents.
Seit dem großen Krieg hielten sie sich im Hintergrund und waren kaum noch auffindbar, sofern man nicht genau wusste, wo man suchen und wie man sich verhalten musste.
Das vierte Volk, das den meisten heute völlig unbekannt war und selbst damals nur für ein Märchen gehalten wurde, waren die Dämonen. Sie waren magische Wesen mit spitzen Ohren und zwei gewundenen Hörnern, die aus ihren Köpfen ragten.
Ihre Haare waren pechschwarz und aus dem unteren Teil ihres Rückens wuchs ein Schwanz, dessen Haut schwarz und lederartig war und an dessen Spitze ein Büschel schwarzen Haares saß.
Ihre Haut war etwas dunkler als die der Menschen und ihre Augen leuchteten stechend rot. Niemand wusste von ihrer Existenz, bis es vor etwa 340 Jahren zu einem folgenschweren Ereignis gekommen war.
Eine Gruppe junger Elfen zog über den Großkontinent, um ihre neuen Lieder zu verbreiten.
Sie reisten von Siedlung zu Siedlung, verweilten in kleinen Dörfern am Rand des östlichen Trabek-Waldes und lauschten abends den Geschichten der Menschen.
Aus diesen Erzählungen formten sie neue Verse, webten Worte und Melodien zu Liedern, die Hoffnung und Erinnerung zugleich trugen.
Überall, wo sie hinkamen, wurden sie herzlich empfangen. Ihre Stimmen brachten Freude in den Alltag der Menschen und selbst in den ärmsten Hütten öffnete man ihnen bereitwillig die Türen.
Doch je weiter sie nach Norden zogen, desto seltener trafen sie auf Siedlungen. Der Wind wurde schärfer, der Himmel grauer und das Land schien kälter zu atmen.
Eines Abends überraschte sie ein Sturm. Der Wind peitschte ihnen den Regen ins Gesicht, Bäume bogen sich ächzend und der Boden unter ihren Füßen verwandelte sich in Schlamm.
Die drei Elfen – Ivory und seine beiden Gefährten – suchten Schutz und entdeckten eine Höhle, halb verborgen zwischen Felsen. Sie hasteten hinein, durchnässt bis auf die Knochen.
Drinnen war es dunkel und still, nur das Heulen des Windes drang gedämpft zu ihnen.
Mit zitternden Fingern entzündeten sie das wenige Holz, das sie bei sich trugen. Das Feuer flackerte schwach und warf zitternde Schatten über die Wände.
Auf der Suche nach weiterem Brennmaterial durchkämmten sie die Höhle, fanden jedoch nichts außer Steine und Kälte. Schließlich setzten sie sich um die kleine Flamme und warteten darauf, dass der Sturm draußen nachließ.
Um die Stille zu vertreiben, begann Ivory leise zu singen. Seine Stimme war klar und warm, wie das erste Licht nach einer langen Nacht. Nach und nach stimmten die anderen beiden ein und die Höhle füllte sich mit dem Klang ihrer Stimmen.
Die Melodie hallte an den Wänden wider und verwandelte die Dunkelheit in ein schimmerndes Echo aus Tönen.
Doch plötzlich verstummte einer der Elfen. Sein Blick erstarrte, die Farbe wich aus seinem Gesicht. Ivory bemerkte es und folgte seinem Blick in die Dunkelheit.
Dort, am Ende der Höhle, glommen zwei rote Punkte – Augen, die im Licht des Feuers aufleuchteten. Dann erschienen noch zwei weitere. Ein Schauer lief den Elfen über den Rücken.
Die Luft schien dichter zu werden, als sich die Augen langsam bewegten. Näher, immer näher. Ivorys Herz schlug so laut, dass er meinte, es müsse durch die ganze Höhle hallen.
Aus dem Schatten traten zwei Gestalten hervor. Dunkle Haut, tiefschwarze Haare, rot glühende Augen.
Ihre Ohren waren spitz und aus ihren Köpfen ragten gebogene Hörner. Der Feuerschein zeichnete ihre Umrisse und ließ ihre Gesichter halb menschlich, halb etwas anderes erscheinen.
Keiner der Elfen wagte es, sich zu rühren. Sie saßen dicht aneinandergedrängt, unfähig, den Blick abzuwenden. Die beiden Wesen blieben einige Schritte vor ihnen stehen und musterten sie schweigend. Das Knistern des Feuers war das Einzige, was den Moment durchbrach.
So kam es, dass an jenem Abend in den Bergen der erste überlieferte Kontakt zwischen Elfen und Dämonen stattfand – ein Ereignis, das in den Chroniken des Großkontinents später als der Beginn einer neuen Ära beschrieben wurde.
Die fünf Wesen saßen sich eine Weile schweigend gegenüber und musterten sich. Nur das Knistern des Feuers durchbrach die Stille. Dann grinste das jüngere der beiden fremden Wesen und fragte mit kindlicher Neugier.
„Warum habt ihr aufgehört zu singen? Das Lied war wirklich schön. Es ging um eine Schlacht, oder?“
Er wollte gerade weitersprechen, doch der andere unterbrach ihn mit ruhiger, aber bestimmter Stimme.
„Wenn du sie weiter mit Fragen überhäufst, Malphas, kommen sie ja gar nicht zum Antworten.“
Malphas verzog das Gesicht, als wolle er widersprechen, doch der strenge Blick des Älteren ließ ihn verstummen. Stattdessen starrte er die drei Elfen neugierig an, seine Augen leuchteten im flackernden Licht des Feuers.
Die Elfen wechselten unsichere Blicke, bis Ivory schließlich die Stille brach.
„Ja, es ging um eine Schlacht“, sagte er vorsichtig. „Ein Märchen über einen menschlichen Ritter, der gegen einen Drachen kämpft.“
Malphas runzelte verwirrt die Stirn. Vielleicht kannte er keine Drachen, dachte Ivory. Schließlich gab es in der wirklichen Welt keine Drachen mehr. Ivory zögerte kurz, dann erklärte er.
„Ein Drache ist eine riesige Echse mit Flügeln, die Feuer speit.“
„Ich weiß, was Drachen sind“, erwiderte Malphas patzig. „Aber wie soll ein Mensch so ein Wesen besiegen?“
Ivory blickte zu seinen Begleitern. Diese Frage hatte sie sich noch nie gestellt. In ihren Liedern zählte die Melodie mehr als die Logik der Geschichte. Da meldete sich das ältere Wesen zu Wort.
„Malphas, du hast mal wieder nicht zugehört, oder? Das Lied handelte nicht von der Wirklichkeit. Es war eine Geschichte, die man singt. Nichts weiter.“
Malphas funkelte ihn an.
„Tu nicht so, als wüsstest du alles besser, Orobas. Eben im Tunnel hast du mich noch gefragt, was das für Wesen sind!“
Er deutete auf die drei Elfen, ohne den Blick von Orobas abzuwenden. Ivory konnte sich ein Lächeln kaum verkneifen. Auch wenn die beiden fremd und furchteinflößend wirkten, stritten sie sich wie Brüder.
„Also… wenn ich kurz darf?“, wagte Ivory schließlich einzuwenden.
Beide Dämonen drehten sich ruckartig zu ihm um. Ihre roten Augen funkelten im Licht des Feuers und Ivory zuckte unwillkürlich zurück.
„Wir sind vom Volk der Elfen“, begann er hastig. „Wir reisen über den Großkontinent, um unsere Lieder zu verbreiten und neue Geschichten zu hören. Mein Name ist Ivory.“
Orobas entspannte sich ein wenig und nickte.
„Wie ihr wohl schon gehört habt, heiße ich Orobas. Und das hier ist Malphas.“
Er deutete auf seinen jüngeren Begleiter, der ihn noch immer finster ansah.
„Wir sind Dämonen und leben hier im Bakara-Gebirge.“
Bei dem Wort Dämonen schoss Ivorys Herzschlag in die Höhe. Die alten Geschichten über finstere Wesen aus der Tiefe kamen ihm in den Sinn. Auch seine beiden Gefährten rückten näher zusammen. Orobas bemerkte ihre Reaktion und schnaubte leise.
„Ihr zieht über den ganzen Kontinent und fürchtet euch so sehr vor dem, was ihr nicht kennt? Wir tun euch nichts. Wir sind ein friedliches Volk. Nicht so wie die Zwerge. Die schlagen sich wegen jeder Kleinigkeit die Köpfe ein.“
Er hob die Hände und führte mit gespielter Ernsthaftigkeit ein paar schnelle Hiebe gegen einen unsichtbaren Gegner aus. Dabei huschte ein spöttisches Grinsen über sein Gesicht.
Ivory atmete auf, doch seine Gefährten blieben stumm, ihre Blicke noch immer misstrauisch.
„Warum seid ihr überhaupt so tief in die Höhle gekommen?“, fragte Orobas. „Hier gibt es keine Geschichten und keine Zuhörer für eure Lieder.“
„Draußen tobt ein Sturm“, antwortete Ivory. „Wir wollten nur Schutz suchen. Weiter vorne ist alles nass und der Wind bläst bis weit hinein. Hier hinten ist es am ruhigsten.“
Orobas und Malphas wechselten einen kurzen Blick. Dann murmelten sie sich etwas in einer Sprache zu, die Ivory nicht verstand. Schließlich wandte sich Orobas wieder an ihn.
„Dann kommt mit uns ins Dorf“, sagte er. „Im Inneren des Berges seid ihr sicher. Stürme hier oben können ein oder zwei Wochen dauern. Und ihr habt weder genug Feuerholz noch genug Nahrung, um so lange durchzuhalten.“
Die beiden Dämonen standen auf und wandten sich dem Tunnel zu, aus dem sie gekommen waren. Nach ein paar Schritten drehte sich Malphas um.
„Kommt ihr? Oder wollt ihr hier erfrieren?“
Ivory blickte zu seinen Gefährten. Beide sahen ihn fragend an. Schließlich nickte er.
„Es bleibt uns keine Wahl. Folgen wir ihnen.“
Sie packten ihre Taschen und löschten das kleine Feuer. Dann traten sie in den pechschwarzen Tunnel, dem schwachen Schimmer der Dämonenaugen folgend.
Ohne zu wissen, dass sie gerade die Grenze zu einer Welt überschritten hatten, die kein Elf je zuvor betreten hatte.

Der Geschichtenerzähler machte eine kurze Pause.
Seine Stimme verstummte und nur das ferne Summen des Marktes blieb zurück. Die Kinder, die auf dem Boden saßen, hielten den Atem an, die Augen groß und glänzend vor Erwartung.
Selbst einige Erwachsene, die zufällig stehen geblieben waren, um der Geschichte zu lauschen, starrten ihn gespannt an, als könnte man die Fortsetzung herbeizwingen, wenn man nur intensiv genug hinsah.
Doch der Mann lächelte geheimnisvoll und richtete sich langsam auf. „Für heute habe ich genug erzählt“, sagte er mit ruhiger Stimme.
„Morgen mache ich an dieser Stelle weiter. Wenn ihr wissen wollt, was mit den drei Elfen geschieht und was die Dämonen wirklich mit ihnen vorhaben, dann kommt morgen wieder.“
Ein enttäuschtes Raunen ging durch die Menge. Kinder seufzten, einige scharrten unwillig mit den Füßen, während Erwachsene schmunzelnd die Köpfe schüttelten.
Trotzdem warfen ein paar von ihnen dem Erzähler noch ein oder zwei Münzen in seinen Hut, bevor sie sich zerstreuten und die Stände sich wieder mit dem alltäglichen Stimmengewirr füllten.
Keylam erinnerte sich später nicht mehr daran, worüber er und Lizzy auf dem Rückweg zur Burg gesprochen hatten. Vielleicht über die Geschichte, vielleicht über ganz andere Dinge.
Er wusste nur noch, dass sie sich für den nächsten Tag wieder unter dem Fenster der Bibliothek verabredet hatten. Beide wollten unbedingt erfahren, wie es weiterging.
Zurück in der Bibliothek, stellte Keylam die Bücher und Schriftrollen wieder an ihren Platz. Die alten Schriften über die Geschichte der Völker wirkten nun noch trockener als zuvor.
Er sah zu dem offenen Fenster hinaus, durch das der Wind hereinwehte und musste lächeln. Wozu sollte er diese Texte noch lesen, wenn er heute die gleiche Geschichte gehört hatte.
Lebendig, spannend und mit einer Stimme, die mehr über die Welt verraten hatte als alle Bücher seines Vaters zusammen?

Ein lautes Klopfen an der Tür reißt Keylam aus seinen Gedanken an die Vergangenheit. Als er sich in seinem Arbeitszimmer umsieht, seufzt er und bittet den Besucher herein.
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